Dienstag, 26. April 2016

Nachträglicher Balkonanbau - Vorteile und Nachteile!



Sie wünschen sich eine Wohnung mit Balkon? Dann fragen Sie doch Ihren Vermieter! In der Regel ist an fast allen Gebäuden rein bautechnisch ein nachträglicher Balkonanbau möglich. 

Wohnen und wohlfühlen in der Mietwohnung dank Urlaub auf Balkonien, ach wie herrlich!

 
Endlich Sonne genießen, ohne die vier Wände verlassen zu müssen, Balkonobst anbauen und knackiges Gemüse aus dem Topf ernten, sich an der Blütenpracht im Balkonkasten erfreuen. Im Sommer draußen frühstücken, abends grillen - die Vorteile eines Balkons liegen durchaus auf der Hand. 



ABER … eine Balkonnachrüstung bringt ebenso einige Nachteile mit sich!



Hätte ich doch eine Wohnung mit Balkon … 

Es sprechen viele gute Gründe für eine Wohnung mit Balkon. Wer keinen hat, sehnt sich danach. Sofern der Vermieter sich für einen nachträglichen Balkonanbau ausspricht, weil Balkons den Marktwert seiner Immobilien steigern, muss das nicht vorteilhaft für die Mieter sein. 
 Eine Wohnung mit Balkon kann durchaus schön sein. Dann jedenfalls, wenn sich der „Freiluftsitz“ auf der Sonnenseite befindet. Für Sonnenanbeter ist ein Südbalkon genau richtig. Die Himmelsrichtung spielt eine große Rolle, wenn es darum geht, einen Balkon nachträglich anzubauen.


Nachteile, an die kaum ein Mieter vor dem Balkonanbau denkt!  

Was passiert, wenn der Nachrüst-Balkon trotzdem auf der Wetterseite angebracht wird? Daraus resultieren mehr Nachteile, als Sie glauben! Sobald es regnet oder schneit, werden sowohl Balkonmöbel als auch die zum Trocknen aufgehängte Wäsche nass. Der Balkonboden ebenso - in dem Fall besteht akute Rutschgefahr. Falls viele Bäume vor dem Haus stehen, können Sie bei starkem Wind den Feger zur Hand nehmen, um die hineingewehten Blätter und Zweige zu entfernen. Jedenfalls dann, wenn sich Ihre Wohnung in einer der unteren Etagen befindet. Da sammelt sich allerhand an.

nachträglicher BalkonanbauWohnen Sie im Erdgeschoss oder Hochparterre? Wenn der Nachrüst-Balkon einmal angebracht ist, kann dies zu erheblichem Lichtverlust führen. Dadurch bedingt, dass die Bodenplatte des darüber liegenden Balkons viel Tageslicht schluckt. In Fachkreisen wird so etwas „Verschattung“ genannt. Infolgedessen müssen Sie an manchen Tagen, selbst im Sommer, schon beizeiten auf künstliche Lichtquellen (Lampen) zurückgreifen. Was wiederum die Stromkosten in die Höhe treibt. Noch „düsterer“ sieht es aus, wenn die Balkons Wand an Wand liegen. Wurde ein undurchsichtiger Sichtschutz zur Nachbarwohnung angebracht, fällt noch weniger Tageslicht in das einst so helle Zimmer. 

  

Mieterhöhung nach Anbau des Wohnungsbalkons

Logisch, dass der Vermieter für die Balkoninstallation zunächst tief in die Tasche greifen muss. Er holt sich sein Geld jedoch zurück, Monat für Monat - von jedem Mieter. Sie zahlen also während der gesamten Dauer Ihrer Mietzeit drauf, denn mit jeder Monatsmiete finanzieren Sie den nachträglichen Balkonanbau. 

Wie hoch die anfallenden Kosten sind, hängt von verschiedenen Kriterien ab. Es kommt darauf an, welche Konstruktion gewählt wurde, welche Materialien verwendet worden sind, ob es sich um ein frei stehendes oder verankertes Modell handelt, und auf viele andere Details.

Überdies macht sich die Balkonnachrüstung auch in den Nebenkostenabrechnungen bemerkbar. Schließlich müssen zu gegebener Zeit professionelle Reinigungsarbeiten durch entsprechende Firmen an den Außenseiten der Balkons vorgenommen werden. Dafür entstehen dem Vermieter zusätzliche Kosten, die er anteilmäßig auf alle Mietparteien umlegen kann.


Balkonverbot für Hartz IV Empfänger

Für Empfänger von ALG II kann ein nachträglicher Wohnungsbalkonanbau allerdings dazu führen, dass sie sich eine neue Bleibe suchen müssen, weil durch die Anrechnung des Balkons die Miete plötzlich über der Angemessenheitsgrenze liegt. Mit „viel Glück“ dürfen betroffene Hartz IV Empfänger vielleicht trotzdem in ihrer Wohnung verbleiben. Sofern sie sich einverstanden erklären, das „Balkonverbot“ als notwendiges Übel in Kauf zu nehmen. 


Wenn der Heizkörper verlegt werden muss … 

 
Balkonanbauten werden insbesondere im Zuge von Altbausanierungen vorgenommen. In der Regel muss dafür ein Fenster „daran glauben“. Wenn sich darunter bisher der Heizkörper befand, muss dieser natürlich weichen und versetzt werden. Stellen Sie sich vor, Sie bekommen einen Balkon an die Küche. Dafür muss lediglich die Wand unter dem Küchenfenster (wo sich der Heizkörper befand) herausgeschlagen werden, weil sich auf diese Art sowohl Kosten- als auch Arbeitsaufwand in Grenzen halten. Das Fenster wird ebenso entfernt und durch eine Balkontür ersetzt. 


Für Wohnungsmieter kann der für den Vermieter kostengünstige Akt zur kostspieligen Angelegenheit werden. Nämlich dann, wenn sie eine teure Einbauküche besitzen. Wo soll der neue Heizkörper hin? Wenn die Mieter Pech haben, wird er seitlich an der Wand angebracht. Und zwar genau dort, wo sich eigentlich die teure Einbauküche befindet. Was das bedeutet, dürfte wohl klar sein!


Was Sie sonst noch wissen müssen, wenn ein Balkonanbau nachträglich stattfindet! 

Es gibt noch weitere Aspekte, an die viele Mieter gar nicht denken. Sofern das Fenster einer Balkontür weichen muss, passen im Nachhinein die vorher verwendeten Gardinen, Vorhänge und Rollos nicht mehr. In der Regel sind sie dann zu kurz. Was bedeutet, dass eine Neuanschaffung notwendig wird. Auch das kostet Geld! 

Haben Sie an Ihre Tapete gedacht? Dort, wo sich nun der Balkonaustritt befindet, muss neu renoviert werden. Ebenso an der Stelle, wo sich der versetzte Heizkörper befindet, falls eventuell Steckdosen verlegt werden mussten. Für das Tapezieren und Streichen kommt der Vermieter auf. Gut und schön. 

Hauptsächlich wird Raufasertapete verwendet und Weiß gestrichen. Was aber, wenn die Wände farbig gestaltet waren, oder mit einer hochwertigen Tapete versehen, die vielleicht noch gemustert war. Wenn Sie Pech haben, wird eine Komplettrenovierung notwendig, für die der Vermieter nicht aufkommt!   


Verbesserte Wohnqualität dank Balkonnachrüstung?

Ich kann erfahrungsgemäß sagen, dass ein nachträglicher Balkonanbau nicht zwangsläufig zu einer verbesserten Wohnqualität beiträgt. Deswegen habe ich diesen Artikel verfasst. Um Ihnen zu verdeutlichen, worauf Sie achten sollten und womit zu rechnen ist.


Kommentare:

  1. Mieter die einen Umzug planen, fragen zuerst nach einer Balkonwohnung. Ist ja auch eine schöne Sache. Aber wie schon im Artikel beschrieben, gibt es nicht nur Vorteile. Außerdem wird ein Balkon zur Hälfte der Fläche als Wohnraum angerechnet. Wird ein Balkon nachträglich angebracht, wird häufig die Isolation an
    der Hauswand nach kurzer Zeit undicht. Ständige Nachbesserungen sind dann notwendig, die auch Kosten verursachen.
    Ein lobenswerter Beitrag der die Vor- und Nachteile abasten beschreibt.

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  2. Vielen Dank für Ihre Antwort. Stimmt,bei offenen Balkonen wird nur die Hälfte der Quadratmeterzahl berechnet. Bei verglasten Balkonen sieht es schon wieder anders aus. Es gibt tatsächlich noch weitere Nachteile, die ein nachträglicher Balkonanbau mit sich bringt. Jene habe ich absichtlich nicht aufgeführt, um Mieter nicht noch mehr zu verschrecken. Schließlich hat ein Wohnungsbalkon auch seine Vorteile. Wer in ein Haus bzw. in eine Wohnung mit Balkon zieht, entscheidet sich bewusst dafür. Aber darum geht es in dem Artikel ja nicht, sondern um die Vor- und Nachteile eines nachträglichen Balkonanbaus. Danke fürs Lob in dem Sinne : )

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